Hermann von Pückler hat fast alle
seine literarischen Werke unter dem Pseudonym "Der Verstorbene"
veröffentlicht. Nur ein Werk gab er unter seinem Namen "Hermann
Fürst von Pückler-Muskau" im Jahre 1834 (Stuttgart, 1834,
Hallberger'sche Verlags-buchhandlung) heraus: Seine "Andeutungen
über Landschaftsgärtnerei. Dazu hatte ihn sein Freund, der Muskauer
Dichter Leopold Schefer gedrängt.
Hermann von Pückler wurde am 30.Oktober 1785 als erster Sohn des
Grafen Karl Erdmann von Pückler, Herr von Branitz, im Schloß zu
Muskau geboren. Die Mutter Clementine Gräfin von Pückler, eine
Geborene von Callenberg, Erbtochter des Reichsgrafen Hermann von
Callenberg und Standesherrn von Muskau, war erst 15 Jahre alt als
das Kind geboren wurde. Die Eltern haben das intelligente und wilde
Kind zur frommen pietistischen Erziehung nach Uhyst in die
Interatsschule der Herrnhuter Brüdergemeine gegeben. Die drei Jahre,
die er dort verbrachte, waren pietistische, fromme, emotiv wirksame
Erziehung , die aus ihm ein jesusfrommes Kind machten und in ihm
Toleranz, Weltklugheit, die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung und
Eigenkritik beförderten; sie weckten in ihm aber auch einen
bleibenden Widerwillen gegen frömmelnde Heuchelei und starren
Dogmatismus. Der so gereifte wurde nun in das Franke'sche Pädagogium
in Halle und das Philanthropinum in Dessau geschickt. Danach
unterrichteten ihn Hauslehrer im heimatlichen Muskauer Schlosse, die
seine Vielseitigkeit zu fördern wußten. Mit sechzehn begann er das
Jurastudium in Leipzig, wo er jedoch nicht im stande war die für das
Studium nötige Selbstdisziplin aufzubringen. Die "Freiheit" war ihm
wichtiger. Bereits nach einem Jahr war er Leutnant in der
sächsischen Armee. Nach zwei Jahren verließ er als Rittmeister am
15. September 1804 Dresden. Er begann jetzt zu reisen, nicht zuletzt
um sich dem Einfluß des strengen Vaters und der launischen Mutter zu
entziehen, er wollte erst zurückkommen wenn er Standesherr von
Muskau sein würde: So reiste er nach Prag, Wien, Augsburg, München,
Ulm, Stuttgart, Konstanz, Bern, Genf. Er Reiste nach Frankreich :
Lyon, Avignon, Nimes, Marseille, Weiter nach Italien, Nizza, Genua,
Bologna, Rom (1809), und nach Neapel, wo er den Vesuv bestieg,
weiter nach Turin, Venedig, wieder nach Frankreich, Straßburg, Paris
wo er sich jeweils mehrere Monate aufhielt. Auf diesen Reisen der
Bildung -- seine Reisen waren seine Universitäten --, einer Zeit der
Freiheit und unzähliger Erlebnise und Eindrücke, reifte in dem
jungen Pückler der künftige Schriftsteller. Seine Erlebnisfähigkeit,
seine ungezügelte Phantasie, seine Redegewandtheit und für die
damalige Zeit typische blumenreiche Sprache der Romantik waren ihm
wohl schon in die Wiege gelegt.
In einer Zeit, als der Berliner Philosoph Johann Gottlieb Fichte
seine Reden an die Deutsche Nation (1807/08) hielt und das
pädagogische Prinzip "Mensch sein heißt selbsttätig sein zu
vernünftigen Zwecken" propagierte, lebte Pückler bewußt oder
unbewußt nach diesem Prinzip, er nahm sich diese Freiheit indem er
sich von den Zwängen des Muskauer Elternhauses löste und im Reisen
Freiheit und Unabhängigkeit fand, um eigene Zukunftspläne schmieden
zu können.
Im siebenten Lebensjahr wurde Hermann in die
"herrenhutische1)" Intenatsschule nach
Uhyst geschickt. Die pietistische, fromme, emotiv wirksame Erziehung
machte aus ihm ein jesusfrommes Kind und beförderte in ihm Toleranz,
Weltklugheit, die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung und Eigenkritik.
Drei Jahre währte die Zeit in Uhyst. Er mußte nun nach Halle, der
Hochburg des Pietismus in Deutschland, in das Franke'sche Pädagogium
2).
Eine weitere Episode der pädagogischen Bemühungen des Vaters war
die Zeit am Philanthropinum (der Schule der Menschenfreundschaft) in
Dessau 3) . Eine durchaus nicht schlechte Bildungs- und
Erziehungskarriere, wie sie viele Adlige in Deutschland des 19.
Jahrhunderts ihren Sprößlingen vorbehalten haben. Alle genannten
Bildungseinrichtungen waren vom Gedanken des Pietismus geprägt.
Anmerkungen:
1)
Herrnhut wird 1722 gegründet, doch seine Geschichte beginnt
viel früher. 1457, vor mehr als 500 Jahren, entsteht eine der ersten
evangelischen Kirchen in Böhmen, die Unitas Fratrum oder
Brüder-Unität. Die "Böhmischen Brüder", wie sie auch genannt werden,
berufen sich auf den Reformator Jan Hus, der 1415 in Konstanz als
Ketzer verbrannt worden ist. Für ihre Gemeinschaft gelten einzig und
allein die Aussagen der Bibel. In Folge der Gegenreformation kommen
sie als Glaubensflüchtlinge Anfang des 18. Jahrhunderts auf das Gut
von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf in der Oberlausitz
(Sachsen). Er gewährt ihnen Asyl. Herrnhut, eine christliche
Glaubensgemeinschaft, entsteht. Die Ausstrahlung dieser neuen
Arbeits- und Lebensgemeinschaft erreicht in kürzester Zeit Menschen
aus anderen Kirchen. Es ist nicht zuletzt das besondere Talent des
Grafen Zinzendorf, der seine vom Pietismus geprägte Theologie
weiterentwickelt. 1732, zehn Jahre nach der Gründung Herrnhuts,
beginnt die Missionsarbeit. Auf allen Kontinenten entstehen in den
folgenden Jahrzehnten Missionsstationen. Die Brüdergemeine wird -
entgegen den ursprünglichen Bestrebungen von Graf Zinzendorf - eine
selbständige Kirche.
2) Im 17. Jh. wurde innerhalb
der ev.-luth. Kirche die Bibel hochtheologisch und für das
unstudierte Volk unverständlich anhand der Schriften Luthers
ausgelegt. 1675 kritisierte der Theologe Philipp Jacob Spener in der
Schrift "Pia Desideria" (Fromme Wünsche) diese Zustände. Er forderte
ein Umkehren hin zur Bibel und zu einem Glauben, der auf einer
persönlichen Bekehrung beruht und sich im Leben des Christen
ausdrückt. Als Spener 1684 als Oberhofprediger nach Dresden kam,
breiteten sich seine Gedanken in ganz Deutschland aus. Während das
Volk von der einfachen Predigt derart begeistert war, dass die
Dresdner Hofkirche die Besucher nicht fassen konnte, distanzierten
sich jedoch viele Geistliche von ihm. Der Erneuerung drohte ihr
Ende. Als aber 1687 der Magister August Hermann Francke durch seine
Bekehrung zu Gott fand, er seine Glaubens-erfahrungen an der
theologischen Fakultät der Universität in Leipzig zu vermitteln
begann, kam es zu einer "Studentenerweckung". Spener wurde nun von
hunderten "wiedergeborenen" Theologiestudenten der Rücken gestärkt.
Viele Theologen verspotteten die Anhänger Franckes und Speners in
Anlehnung an dessen oben benannte Schrift mit dem Namen
"Pietisten".
Als Spener aus Sachsen verwiesen wurde, weil er
den Kurfürst Johann Georg III. bezüglich seines Alkoholkonsums
ermahnt hatte, und Francke das Lehren an der hunderten
"wiedergeborenen" Theologiestudenten der Rücken gestärkt. Viele
Theologen verspotteten die Anhänger Franckes und Speners in
Anlehnung an dessen oben benannte Schrift mit dem Namen
"Pietisten".
Als Spener aus Sachsen verwiesen wurde, weil er den
Kurfürst Johann Georg III. bezüglich seines Alkoholkonsums ermahnt
hatte, und Francke das Lehren an der Leipziger Universität verboten
wurde, weil er hier auf heftige Gegenwehr der Professoren gestoßen
war, kam es zum jähen Ende des Pietismus in Sachsen. Spener ging
nach Berlin und setzte sich dafür ein, dass Francke die Pfarrstelle
in Halle-Glaucha übertragen wurde. Francke fand eine verwahrloste
Gemeinde vor, in der es aber schnell zu Veränderungen kam. Francke
startete ein tägliches Gemeindegebet früh und abends, zu dem bald
nicht mehr nur 20 sondern bis zu 250 Gemeindeglieder kamen. Der
ganze Ort veränderte sich daraufhin. Francke begann 1695 mit dem
Aufbau eines Waisenhauses und verschiedener Schulen, die bis heute
als die Francke'schen Stiftungen bekannt sind. 1727 wurden hier fast
3000 Kinder nach den Zielen des Pietismus unterrichtet und erzogen.
Oberstes Ziel war, dass sie Gott erkennen. Dazu diente eine strenge,
aber liebevolle Erziehung und Bildung mit dem Schwerpunkt auf Gebet
und Bibel.
3) Am 27. Dezember 1774 eröffnete
Johann Bernhard Basedow feierlich eine "Schule der
Menschenfreundschaft" (Philanthropinum), wie er das Institut in der
Schrift "Das in Dessau errichtete Philanthropinum, eine Schule der
Menschenfreundschaft und guter Kenntnisse für Lernende und junge
Lehrer [...]", Leipzig 1774, mit der er für das Experiment warb,
selbst nannte. Neben Basedow unterrichtete an dem neuen Institut
auch Christian Heinrich Wolke (1741-1825), der später auch die
Leitung übernehmen sollte. Ein "Unterlehrer" und drei Schüler,
darunter Basedows Tochter Emilie, die später durch ihr immenses
Wissen auffiel, gehörten zum Beginn der Musterschule. Das
Philanthropinum gewann rasch große Aufmerksamkeit weit über Dessaus
Grenzen hinaus.

Graf Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau im Jahre 1815
im 30. Lebensjahr.
Am ersten Mai 1915 gibt er den Muskauer Bürgern seinen Plan einer
Parkgestaltung bekannt.
Im Juni 1822 verleiht der preußische
Staat dem Muskauer Standesherrn Pückler den Titel eines Fürsten.
Sein Schwiegervater, der mächtige Staatskanzler Karl August Fürst
von Hardenberg (1750 -1822) hatte sich dafür eingesetzt.
Der
Preis: 4000 Taler
1817 heiratete er Lucie von Pappenheim (1776 - 1854), mit der ihn
im Laufe der Jahre eine tiefe Beziehung verband, welche durch eine
gemeinsame Kunst- und Lebensanschauung begründet war.
.......Lucie (1776-1854),
verh. mit Karl Theodor Graf zu
Pappenheim (1771-1853) und
Hermann Ludwig Heinrich Fürst
Pückler-Muskau
(geb. 30. Oktober 1785, gest. 4. Februar
1871)......