| Vorbemerkungen |
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Es sei doch die Frage erlaubt, warum bedeutende
Persönlichkeiten, seien es Wissenschaftler, Schriftsteller, Dichter, Ärzte
so schnell vergessen werden. Es liegt fern von jeder Nostalgie, sich der
Alten zu erinnern, zu erkennen, was sie an Wertvollem hinterlassen haben.
Es gebietet die Achtung vor dem Leben und der Leistung , vor
Persönlichkeit, Werk und Vermächtnis.
Wie schnell wird auch heute z. B. ein geachteter
Hochschullehrer, wenn er im Alter von 65 Jahren pensioniert wird, auch
vergessen, weil es ein Junger, Neuer besser machen will. Massenhaft
wurden fähige Wissenschaftler und Hochschullehrer "abgewickelt" und so der
Vergessenheit anheim gegeben. Es kamen dafür Jüngere , die waren
keinesfalls nicht immer auch Bessere. Alle gesellschaftlichen
Systeme der Vergangenheit und Gegenwart in Deutschland haben
abgewickelt. Den Begriff Abwicklung findet man übrigens
zuerst bei dem großen Philosophen J.G. Fichte und zwar im heute
gebräuchlichen Wortsinne. Andere fallen der Vergessenheit anheim, weil die
gesellschaftliche Entwicklung immer schneller verläuft, alle Bereiche des
gesellschaftlichen Lebens und eben auch die Menschen von "Intensivierung"
und heute auch von "Globalisierung" befallen sind. Es ist wie eine
Seuche! Viele deutsche Dichter wurden im Gedächtnis des Volkes erhalten
weil sie Eingang in Lesebücher gefunden haben und dadurch über
Generationen das Interesse an Ihnen wachgehalten wurde. Leopold Schefer
fand zwar in viele Anthologien Eingang (Beispiel: "Gellertbuch"). In
Schullesebücher wurde er jedoch niemals aufgenommen. War doch die Kirche
über Jahrhunderte Zensurbehörde. Damit verlor er sich aus dem Bewußtsein
des Volkes.
Große Meister anderer Länder werden erst garnicht zur
Kenntnis genommen. Zahlreiche Beispiele könnten dafür angeführt werden.
Welch gewaltiges kulturelles und Wissenschaftliches Potential hat
Russland!!! Wer nimmt es zur Kenntnis???
Wer kennt die . . . Zeitgenossen . . . Leopold
Schefers noch?
In Deutschland wurden Bücher verbrannt, um Dichter,
Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler sytematisch der Vergessenheit
anheimzugeben.
Es sei an die Bücherverbrennung auf der Wartburg am 19.
Oktober 1817 erinnert! [ Hans Ferdinand Maßmann !]
Heinrich Heine 1821 dazu: "Das war ein Vorspiel nur,
dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen."
[Almansor. Eine Tragödie 1821]
1933 - Brandjahr deutscher Literatur . . . . . . . Wenig später wurden auch
Menschen
verbrannt . . . . . . .
" Wer Bücher verbrennt ,
verbrennt auch Menschen".
Und ich beklage, daß ein Deutscher Dichter vergessen
wurde, der in dem deutschen Provinzstädtchen Muskau fast sein ganzes Leben
verbracht hat. Ich möchte sagen sträflich - fahrlässig unterdrückt und
vergessen. "Vergessen" als erste Stufe von
Kulturlosigkeit,
Dissoziation von "moderner" Zivilisation und Kultur:
"Zivilisation frißt Kultur . . . "
im 20. Jahrhundert ! ! !
"Schefer" im Schriftstellerlexikon der DDR nicht zu finden;
und im 21. Jahrhundert . . .
Kulturgut ist wert erhalten zu werden. Das gebietet
Achtung, wenn nicht auch Ehrfurcht. Das gebieten Ethik und Moral. Wie oft
hört man am Grabe von den Meistern: "Sein Erbe werden wir in ehrendem
Gedenken behalten." Ich möchte behaupten, daß so etwas oder Änliches
auch am Grabe von Leopold Schefer gesagt wurde. ....Aber die Zeit ging bis heute über alles
hinweg. Ein schmuckloser Grab- oder Gedenkstein als Denkstätte ist
geblieben - keine Gedenkstätte, kein Museum... Das Haus steht noch... aber...
Für die Literaturwissenschaft wurde der Dichter Leopold
Schefer durch die Fleißarbeit von Bettina Clausen (Hamburg) und Lars
Clausen (Kiel) dem Vergessen entrissen (Großen
Dank!). In der gesellschaftlichen Praxis wird
Schefer heute bestenfalls als Sonderling, als Exot empfunden. Er steht, im
Gegensatz zu Hermann Pückler-Muskau, im Abseits.
Bei Pückler regelt heute alles der Markt: "Pücklereis",
"Fürst Pückler-Wellness-Kur", Pücklerbüsten aus Gips und Bronce, groß und
klein...,
Und nun auch ein Video über den Fürsten: Alles ist darauf aus, aus oder mit dem Fürsten Pückler und aus seinem Namen und auch seinen Parks möglichst viel monetären Gewinn zu schlagen. Kein Wunder, daß Schefer weiter im Abseits steht. Für
Leopold Schefer ist eben mehr zu tun.
Ich durfte am 30. Juli 2006 die Veranstaltungen zu
seinem 222. Geburtstag in Bad Muskau erleben. Mein Eindruck: "Hier
wurde ein "Denkmal" für Leopold Schefer gesetzt. Leopold Schefer wird
wieder wahrgenommen; er hat uns noch viel zu sagen! Das ist aber ein
eigenes Thema." II. Leopold Schefer, In der Kritik des 19. Jahrhunderts Es sei erlaubt, die Meinung des Literaturhistorikers und
Dramaturgen Heinrich Laube, der in Muskau seine "Festungshaft" verbrachte, über Leopold Schefer zu
zitieren:
Erstens Aus „Moderne Charakteristiken von Heinrich Laube, Zweiter Band, Seiten 320 bis 329 Mannheim C. Löwenthals Verlagsbuchhandlung 1835“ Zitatanfang: „Man empfindet in seiner Nähe den warmen Odem jener unergründlich tiefen, unbeschreiblich zarten Menschenliebe, die bei überschwenglichem Reichthume genügsam und glücklich ist mit einer einzigen Blüthe, einem einzigen Blatte. . . . . Es ist die liebenswürdigste Liebe in ihm, die Liebe ohne Namen, die Liebe an sich, die nicht liebt, weil sie den Gegenstand schön findet, sondern weil er überhaupt für sie existirt, die Alles liebt, weil Alles liebenswerth ist. . . . .“ Zitatende: Zweitens Aus „Geschichte der deutschen Literatur, von Dr. Heinrich L a u b e ; vierter Band; Stuttgart, Hallberger'sche Verlagsbuchhandlung; 1840“ Zitatanfang: [159]
"Die wohltuende Form Königs vermißt man hier. Nicht
weil man der Arbeit Flüchtigkeit ansähe, weil man Mangel an Sinn dafür
entdecke. Schefer ist sorgfältig, und kennt die feinste Bedeutung aller
Form. Aber die Fähigkeit geht ihm ab. Seine Novellen sind so in feine
Staubfäden hinein vorausgezählt und gewogen, ehe sie in die Schrift
treten, wie es nur bei Jean Paul gewesen sein kann. Aber es giebt einen
Reichthum, ja es giebt eine Ordnung, welche genau und untadelhaft ist, und
doch nicht schön. Wäre selbst alles innere Gebäude einer Schefer'schen
Novelle einmal so gediehen, daß Verhältniß an Verhältniß sich glatt und
schön schlöße, die Wiedergabe davon im Style würde drüber täuschen. Das
pantheistische Herz ist ihm so geschäftig, daß er keinem Blümchen
vorübergehen kann, ohne es, wohl oder übel, in das eben Nöthige
aufzunehmen. Dies zerbröckelt in Tausendfaltigkeit seinen Ausdruck, und da
er gar keines Schwunges musikalischer Rede mächtig ist, so entbehrt sein
Ausdruck alles Fortdranges, und zerfällt für denjenigen, der nicht den
Autor schon liebgewonnen hat, der nicht schon weiß, daß hinter dieser
zuerst entgegentretenden Atomistik die große, wohlbedachte Form eines
edlen Menschen ruht. Darum kehren so viele Leser dieses Autors schon auf
den ersten Stationen des Buches um, darum ist selbst bei Wohlwollenden der
Wunsch so häufig, diese Bücher möchten ihrer trefflichen Gedanken halber
noch einmal geschrieben und in einen guten Styl gebracht
werden. Geschichte der deutschen Literatur, von Dr.
Heinrich L a u b e ; vierter Band; Stuttgart, Hallberger'sche
Verlagsbuchhandlung; 1840Eins könnte Schefer. Er könnte sich in den Vers nöthigen, und dadurch eine Gewalt erzwingen, die ihm für alle Prosa versagt ist. Seine Prosa ist ununterbrochen eine gnomische Lyrik, Aber nirgends eine Darstellung, nirgends eine Erzählung, nirgends eine Entwicklung. Daher das unbesiegliche Mißverhältniß, da sie sich immer episch bietet. Daher die unzweifelhafte Gewalt, die sie auf einmal ausübte, da sie sich im „Laienbrevier“ in Versen bot. Auch dieser Vers eilt immer noch in die bescheidene Tonlosigkeit, welche diesem Autor eigen ist. Seite 159. [160] Wie überwältigend zeigt sich hier schon die grundgute,
ja religiös-liebenswürdige Seele Schefers! Geschichte der
deutschen Literatur, von Dr. Heinrich L a u b e ; vierter Band; Stuttgart,
Hallberger'sche Verlagsbuchhandlung; 1840 Seite 160
Es ist hier ein Beispiel, wie trügerisch der äußere Unterschied sei, wenn dem bloßen Verse die Poesie zugetheilt wird. Schefer bedarf des Verses für den Zusammenhalt überfließender Materialien, die eben darum überfließen und ohne Halt und Form sind, weil sie aus rastloser, nach Poesie unstet suchender Prosa stammen. Schefer ist ein Gipfel, ein üppig bewachsener Gipfel unserer Prosazeit, und er würde dieser Prosa gehörig verbleiben, wenn jener Rath zum Verse sich bereits glänzend an ihm bewährt hätte. Der Vers ist ein Hilfsmittel für die nächste Form; die einige Form einer ganzen Welt, welche Poesie zu nennen ist, kann davon noch weit entfernt sein. Wer möchte in Byron jene einige Poesie finden, die hier gemeint ist, und doch ist dort Alles Vers, und so Vieles stattlicher Vers, ja so Manches poetischer Vers! Wie mächtig würde Schefer mit seiner ergiebigen Phantasie, stünde ihm nur der äußerliche Vers Byrons zu Gebote. Aber um die Täuschung hervorzubringen, als sei die Gabe poetischer Blicke und Ausdrücke schon volle Poesie, bedarf es eben solcher Phantasie eines Musikalischen Rhythmus. Und den besitzt Schefer nicht, obwohl er selbst musikalischer Komponist ist. An der Harmonie des Weltalls zweifelt auch in der aufgelösesten Zeit nur die Frivolotät, und entsprechende Beispiele davon in der Einzelnheit gewinnt sich der begabte Mensch in jeder Periode, — aber die volle Melodie auszudrücken, ist nur einer poetischen Periode vergönnt. Und so ist Schefer voll harmonischer Empfindung und Wissenschaft, aber die melodische Ordnung dafür findet er nicht, und wahrscheinlich wird es in seiner musikalischen Komposition nicht anders sein. Mancher mit einem viel kleineren Vorrate ist ihm darin voraus, denn die Armuth ist leichter fertig als Reichthum. Und bei allgemeiner Schatzung wird ein solcher doch tief unter Schefer zu stehen kommen. Lassen wir einmal Forderungen an Form bei Seite, wie unschätzbar hat Schefer beigesteuert für unseren Poetischen Aufbau seit etwas 1825, wo seine Novellen zum ersten Male in einer gesammelten Folge erschienen, wo „Palmerio“, „die Deportirten“, „die Osternacht“,„die Düvecke“ vor uns traten! Wie zart dringt er in die Herzen, wer kann sich einer genialeren Entdeckung im Eheleben rühmen, [161]
als sie in Schefers „Künsterehe“, der Ehe Albrecht
Dürers, lebendig wird? Wie kennt er den Orient, wie kennt er die
Innenseite des blßen Sinnenlebens, wie kennt er den kleinen Bürger, wie
kennt er das Unglück in dessen Unscheinbarkeit" Geschichte der deutschen Literatur, von
Dr. Heinrich L a u b e ; vierter Band; Stuttgart, Hallberger'sche
Verlagsbuchhandlung; 1840 Seite 161.
Es sind viele Punkte, wodurch Schefer ein Vertreter der jungen Literatur ist. Zunächst ist es jener Freisinn, welcher von Goethe stammt und welchen das politisch beschränkte Urtheil so gerne mißkennt, jener Freisinn, Nichts, aber nicht das Geringste poetischer Theilnahme für unwerth zu erachten. Und Schefer hat — soll man's Ruhe, Geduld, Bildung nennen? — er hat die gleichmäßig sanfte Ausdauer eines liebvollen Herzen für Alles, für Alles. Was zu seinem Unglücke in der Form beiträgt, ist ein seltener Schatz seines Herzens. Es ist etwas Engelhaftes; und wenn er um seiner Form halber oft nicht die T h e i l n a h m e findet, die er verdient, er findet um jener Eigenschaft willen oft genug und mit gutem Rechte eine V e r e h r u n g , die über das gewöhnliche Verhältnis zwischen Leser und Autor hiausreicht. Wirklich zeigt sich an Schefer durchgehend jenes Etwas, was man nur bei einem Religionsstifter erwartet. Im Punkte der Religion ist nun oft davon die Rede, Schefer verlasse das Christenthum, gebe sich pantheistischem Glauben hin. Die evangelische Kirchenzeitung hat ihn, wie dies ihr Geschäft ist, als Ketzer vorgeführt, aber als einen Ketzer, der die beste Anlage habe zu einem guten Christen. Und das ist es. Allerdings gehört er zu jener großen Reihe denkgläubiger und denkender Männer, die von Spinoza herab der jüdisch plastischen Vorstellung eines Gott-Vaters nicht anhängen, denen eine tiefere Beweglichkeit für das höchste Wesen nöthig scheint, als eine solche in jener abfertigenden Plastik ausgedrückt. Man erledigt sich gern dieser Erscheinung mit dem weiten Namen Pantheismus, als ob so ein Verschiedenartiges damit bezeichnet, und als ob mit dieser Bezeichnung etwas abgethan wäre. Man beschuldigt eben so neuerdings Hegel des Pantheismus, und man wird dergleichen noch oft thun können, ohne daß hiemit mehr als ein Schall verursacht würde. Die Voraussetzung ist doch eine armselige, daß alles besondere Wesen später Einsicht längst eingeschlossen sei in frühere Eintheilung. Damit wäre aller Fortschritt vernichtet. Die dogmatischen Eigenheiten Schefers zu benennen wäre [162]
die schwierigste Aufgabe. Sein Herz ist noch täglich
seines Geistes und sein Geist ist noch täglich seines Herzens gewärtig.
Alles fließ noch in ihm, und deßhalb ist er leicht und vereinigt mit aller
jungen Literatur, deßhalb ist ihm alle scharfe Grenze, ist ihm alle Form
so fern, deßhalb umarmen sich allerlei dogmatische Wiedersprüche in ihm,
und das folgende Wort hebt oft das vorhergehende auf, wie dies im
Laienbreviere von Seite zu Seite ersichtlich ist. Diese lyrische
Weiblichkeit, welche allem Schefer schon überwiegend inwohnt, empfängt und
gebiert wie eine fruchtbare Flur unaufhörlich, ohne Sorge darob, ob das
erwachsende kraut sich gegenseitig aufheben würde, wenn es zu einer
gemeinsamen Wirkung vereinigt sein sollte. Die Mannes-Bestimmtheit, welche
ordnet und regiert, ist nirgends in ihm. So wendet sich alledings das
Laienbrevier hinweg von verlorenem Paradise, von Erbsünde, von
stellvertretendem Tode, von strafendem Weltgerichte, kurz von all den
Punkten, welche die Aufklärung aus den christlichen Dogmen gelöst. Eine
sehr gewandte Dialektik, die ihm durch philosophische Studien eigen,
entringt sich selbstständig aller bloßen Nachfolge, wie sie ein positive
Religion heischt, ja in einer der neuesten Novellen, in der sehr
merkwürdigen Novelle „der Gekreuzigte“ gibt er einen Pendant zu Christi
Lehr-und Leidensgeschichte, und die Absicht verbirgt sich nicht, daß hier
Anderes nicht minder würdig auf- und abgetreten sei. Kurz, er zeigt sich
hundertfach zu der Polemik gegen positives Christenthum gehörig, und die
evangelische Kirschenzeitung hat ganz recht, ihn ob solcher Abneigung
gegen religiöse Positivität mit dem Fürsten Pückler-Muskau, und dem
verstobenen Muskauer Prediger Petrik, einen gewandten und scharfen
Geistlichen der Aufklärung, in ein Trifolium zu vereinigen, was außer der
Kirche sei. Aber aller Athem Schefers ist doch christlich. Jene weibliche,
duldende Liebe, womit die Christuslehre ein überständiges, männliches
Alterthum brach, sie ist in ihm Alles in Allem. Erwartet die Spekulation
der Weltalter, als eine dritte Poesie der gebildeten Menschheit, eine
vorherrschend männliche Potenz, und findet sie selbige in einem Zeitalter
der Revolutionen angekündigt, so mögen Schefers mit kleinen Liebesblümchen
bepflanzen Wege, welche die christliche Weiblichkeit breiter fortführen,
sie mögen an Grenzem eines neuen Reichs geleiten, in so fern Geschichte der deutschen Literatur, von Dr. Heinrich L a u b e ;
vierter Band; Stuttgart, Hallberger'sche Verlagsbuchhandlung; 1840 Seite
162.
[163]
durch sie die weibliche Welt vollständiger ermessen
wird; Schefer selbst wird vom Standpunkte solcher Spekulation in zweiten
Weltalter, im Weltalter vorbereitender Liebe verbleiben. Kommt aber ein
Weltalter neuer Kraft, was den Gewinn alter Schönheit und Kraft
mittelalterlicher Weichheit in sich trägt, dann wird es der Schefer'schen
Seele dankbar verpflichtet sein, und was jetzt in Schefer wegen mangelnder
Formhaftigkeit reizlos erscheint, das wird dann mit seiner innerlichen
Fülle als eine strotzende That menschlichen Vermögens
erscheinen. Geschichte der deutschen Literatur, von Dr.
Heinrich L a u b e ; vierter Band; Stuttgart, Hallberger'sche
Verlagsbuchhandlung; 1840 Seite 163.
Schefer ist in dem Niederlausitzer Städchen Muskau 1784 geboren, hat die Bautzener Schule besucht, und dann, nach mancherlei Unterbrechung, sich in Wien medicinischen und musikalischem Studium zugewendet. Obwohl nicht reich bemittelt, folgte er doch von frühauff freier Neigung, und hatte nicht sowohl ein Amt als ein beschauliches Leben im Auge. Gedichte und Musikalien komponierte er zeitig, ging dann nach Italien, nach Griechenland, nach Kleinasien, und kehrte durchdrungen von südlicher Beschaulichkeit 1820 in die Heimat zurück. Was er im Auslande geschrieben, meist Trauerspiele, ist theils ungedruckt, theils unwichtig geblieben. Schon 1813 war ein Band Gedichte von ihm mit dem Namen des Grafen Pückler erschienen, so schlaff in der Form und so durchzittert von einzelnen wunderlichen Blicken, daß der spätere Verfasser des Laienbreviers wie in der Hülfe darin zu sehen ist. Schefer fand erst einen schriftstellerischen Halt in de Ehe. Das Weib, die Mutter, das Kind sind der Ein- und Ausgang seines poetischen Gedankens. Hier liegt seine Größe und seine Beschränktheit. In der Freundschaft mit dem Fürsten Pückler hatte er mancherlei Reize eines unternehmenden Leben gesehen, hatte praktische Thätigkeit geübt, war aber gern in die engen Grenzen der Familie zurück gekehrt, wo unter kleiner Beziehung sich die Fäden der Welt, die er weit und breit gesehen, ausspinnen ließen, wo unter patriachalischer Gewohnheit der ferne Himmel und das Lamm im Garten genügende Veranlassung wurden für ein gedanken- und bildervolles Wesen. So lebt er noch, jetzt vorzugsweise musikalischer Arbeit hingegeben. Man hat ihn wohl einen Nachahmer Jean Pauls genannt, aber ganz zu Unrecht. Die kleine Welt, stets in jähe Verbindung [164]
gesetzt mit der größten, der damit zusammenhängende
ungleiche Styl konnten wohl dem ersten Anblicke nach einen solchen
Vergleich wecken. Aber in der That ist die größte Verschiedenheit da. Jean
Paul ist humoristisch, witzig, in der mißlungensten Form berechnet, im
gutmüthigsten Ausdrucke scharf. Schefer ist überall sanft, ja im
Wesentlichen naiv, er ist verschwimmend, selbst im Zorne begütigend, er
hat nirgends einen Zahn, feine Verwandtschaft ist da, aber sie beruht auf
viel feineren Wurzeln als der plane Vergleich zu bezeichnen gemeint ist,
und könnte ergiebiger Stoff für eine ausführlichen Behandlung werden. . .
. . . . . . Geschichte der deutschen
Literatur, von Dr. Heinrich L a u b e ; vierter Band; Stuttgart,
Hallberger'sche Verlagsbuchhandlung; 1840 Seite 164.
Begeisterung für's Allgemeine, Unbestimmte hinaus und ein braves Gemüth reichen nicht hin für einen Roman, und wenn sich ein Verehrer Schefers auf diesen berufen wollte, so thäte er ihm sogar sehr Unrecht. Schefer empfinder wahr, und was er gibt und was noch so schwimmend erscheint, das ist erst durch einen feinen Verstand gegangen; die naiven Laute Schefers sind erst entsprungen, nachdem eine gar mannigfache Bildungswelt durch Herz und Geist gezogen war. Hohl ist nicht das Mindeste an ihm. [165] f f. [166] f f. Ende des Zitats. [Heinrich Laube in seinen "Erinnerungen", zitiert bei
Clausen, S. 112 ]
Zitatanfang: „Alles an ihm, Schrift wie Wesen
erinnerte an Jean Paul, an einen Brahminen, welcher geduldig Regen,
Gedeihen und Vernichten hinnimmt, als Gaben der Weltseele.“Zitatende. [d.i. das Fehlurteil Laube's!] Kommentar Clausen [1985, Seite 112] dazu: „Einmal abgesehen davon, daß weder Jean Paul noch
Leopold Schefer derartige Trottel waren, verbindet beide Dichter nur das
scharfe Auge. Jean Paul ist im übrigen, wie kaum ein Zweiter, das
literarische Gegenstück zu Schefer. Beide einander gleichzusetzen, hieße
ungefähr soviel, wie einen Hochseilartisten nicht von einem (sagen wir)
Lotsen unterscheiden zu können. Aber da man, offensichtlich, weder vom
Einen noch vom Andern viel verstand, wehrte (und wartete) man Beide gern
in einem Zuge ab: Die Geschichte der Jean-Paul-Schefer-Verkupplung ist für
die Literaturkritik so recht zum Abgewöhnen.“
III. Leopold Schefer,
Lebensweg
Der Dichter Leopold Schefer wurde am 30. Juli 1784 in
Muskau /Oberlausitz geboren. Sein Vater war Arzt. Dieser starb 1797 als
der Knabe 13 Jahre alt war.
aus Rammennau bei Bischofswerda, der spätere berühmte Philosoph, durchaus nachhaltigen Einfluß. Dieser schlägt sich nach seinem Studium in Jena mühsam mit Privatunterricht und als Hauslehrer herum (Zürich, Leipzig, Wolfshain). Oft ist er bei der Familie des Doktor Schefer zu Gast. Leopold ist noch ein Knäblein. "Um Kinder zu erziehen, muß man erst die Erwachsenen erziehen. . ." Die erwachsenen Freunde von Leopold Schefer waren: Neugier und Wissensdurst konnte er in der Bibliothek des Grafen Callenberg stillen und so seine Denkwelt befügeln. Mit 15 Jahren, im Jahre 1799 besuchte er das Gymnasium in Bautzen. [Carl Justus Blochmann wurde 1786 in Reichstädt bei
Dippoldiswalde geboren. Er war der Begründer des nach ihm
benannten Gymnasiums in Dresden, auf welches Leopold Schefer später
(1838) seinen Sohn Alexander in Erziehung gab.]
[ Rudolf Sigismund Blochmann wurde 1784 in Reichstädt bei Dippoldiswalde geboren. Der Sohn des Dorfpfarrers begann mit 14 Jahren eine Mechaniker-Lehre in Dresden. Mit dieser Ausbildung holte ihn das Mathematisch-Mechanische Institut unter Leitung der berühmten Ingenieure Georg von Reichenbach und Fraunhofer nach München. 1818 kehrte er als erfahrener Techniker nach Dresden zurück, wo er zum Inspektor des Königlichen Mathematisch-Physikalischen Salons berufen wurde. Am 28. Februar 1825 wurde Blochmann in das Dresdner Schloss bestellt, um das Gasportativ - eine tragbare Gaslaterne - in einer Beleuchtungsdemonstration vorzuführen. Das Ergebnis überzeugte: Er wurde der Begründer der deutschen Gastechnik und der Erbauer der ersten Gaswerke in Deutschland - 1825 führte er dem sächsischem König Friedrich August I. den von ihm entwickelten Mehrflammen-Gasbrenner vor - 1828 konnte er in der Residenzstadt die erste Gasanstalt errichten. Als maßgeblicher Wegbereiter der Dresdener Gasbeleuchtung nahm unter Blochmann das erste Dresdener Gaswerk seinen Betrieb auf. Im April 1828 erhellten 36 Gaslaternen erstmals das Schloss, die Hofkirche und den Platz zwischen Zwinger und Kathedrale. Anlass gab der Geburtstag von König Albert am 23. April 1828. Blochmanns Gasportativ gilt als Urform des Flaschengases. ] [ Carl Ferdinand von Gräfe, - (geb. 8. März 1787 in Warschau - gest. 4. Juli 1840 in Hannover). Medizinstudium in Halle und Leipzig. 1807 Privatpraxis in Alexisbad. 1811 Professor der Chirugie in Berlin: Mit 24 Jahren erster ordentlicher Professor der Chirurgie an der neugegründeten Berliner Unversität -- Berühmter Freimaurer -- Direktor am Königlichen Klinikum in der Berliner Ziegelstrasse.-- Superintendent der Militärhospitäler während der Napoleonischen Kriege (1800-1815). Leibarzt Friedrich Wilhelm III. -- GRAEFE, Carl Ferdinand von – "Normen für die Ablösung grösserer Gliedmassen nach Erfahrungsgrundsätzen entworfen", Berlin: Julius Eduard Hitzig, 1812 Carl Ferdinand von Graefe veröffentlichte 1818 das erste Lehrbuch der plastischen Chirurgie in Deutschland: einer der ersten Chirurgen Europas der die über Jahrhunderte vergessene Methode der indischen und italienischen Nasenplastik wieder mit eigenenen Modificationen ausgeführt hat. Pionier der Plastischen Chirurgie. ] Im 20. Lebensjahr, am 27. März 1804 kehrte Leopold nach Muskau zurück. Jetzt geht er vor allem seinen Neigungen, der Musik und Dichtkunst nach. Er entbrannte in Liebe zu Comtess Agnes von
Pückler, der Schwester des jungen Grafen Hermann von Pückler. Die
konventionellen Schranken waren unüberwindbar.
Am 7. November 1808 starb Leopolds Mutter.
Im Jahre 1812 ernennt der junge Graf Hermann von Pückler seinen
Freund Leopold Schefer zum General-Inspektor der Standesherrschaft Muskau.
(Verwaltung von Muskau in „in allen Branchen“.) Mit 27 Jahren wird er
praktisch Landesvater der Standesherrschaft Muskau. . .
Im Jahre 1811 erschien auch die erste Gedichtsammlung (200 Gedichte!)
von Leopold Schefer. Sie wurde von Graf Hermann von Pückler herausgegeben.
Pückler macht sich aus dem Staube und geht am 15. 12. 1812 nach
Berlin, um in russische Dienste gegen Napoleon zu treten. Keiner weiß wann
er wiederkommt.
In angestrengtester Arbeit und mit ungeheurem Fleiß bewältigte
Schefer diese schwere Aufgabe. Es war die Zeit der französischen
Herrschaft in Deutschland.
Im 30. Lebensjahr, am 15. September 1814 reist Schefer nach England
(Frankfurt am Main – Köln – Antwerpen – Dover London) England ist…. Zitat.
Rundreisen mit Pückler, 36 Parks in England besucht.
Beendigung der Zusammenarbeit (Abhängigkeit) mit Pückler.,
Im Januar 1816, im 32. Lebensjahr, beginnt er seine Reise =
Lebensuniversität - (voller Impressionen, die er nachhaltig
verarbeitete!):
Aigigon, Delphi,
Chaironäa, Athen, Kiphissia, Athen)
Smirna,
Cesme.
Tenedos. Muskau ist durch die Arbeiten am Park bereits verwandelt! Später schreibt er: „Ich habe auch nicht auf der Bank studirt, sondern auf Reisen; Entfernen und Ferne, Verlieren und Finden, Einsamkeit und bevölkerte Städte, entvölkerte Lande und blühende Inseln, vergangene Herrlichkeiten und neues Leben, Tempel und Richtplätze, fremder Schmerz und eigene Freude, eigenes Leid und Anderer Jubel, Tage und Nächte, selbst Hoffen und Träume sind meine Lehrer gewesen; meine Augen und Ohren; zuletzt der Ueberdruß, die Verlassenheit und die Sehnsucht! So kam ich wieder lebendig in die mir lebendig gewordene Heimat, und verstand doch so viel von Menschen und ihren Wünschen . . .“(1834) Im 37. Lebensjahr, am 6. November 1821 Heiratet er seine
Kindheitsfreundin Johanna Friederike Lupke, die Tochter eines Pächters aus
Boxberg. …
Schefer baut ein Haus …….1831, er ist bereits 47 Jahre alt...
Jetzt lebte er für sein dichterisches Werk. . . .
Im Jahre 1845 starb seine Frau. Er war 60 Jahre alt:
B. CLAUSEN:“ Zitat…“
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